Vor fast einem Jahrhundert tauchte in der Nähe von Bagdad eines der umstrittensten archäologischen Rätsel der modernen Geschichte auf. Es handelt sich um einzigartige Tongefäße, die seit ihrer Entdeckung die Fantasie beflügeln und die wissenschaftliche Gemeinschaft spalten: Handelte es sich um ein jahrtausendealtes elektrisches Gerät – vielleicht die ersten Batterien der Geschichte – oder um einfache Gefäße mit ritueller oder symbolischer Verwendung?
Der Fund in Khujut Rabu: Tongefäße mit Metallzylindern
Die Entdeckung der heute als „Batterie von Bagdad” bekannten Fundstücke geht auf das Jahr 1936 zurück, als irakische Eisenbahnarbeiter versehentlich mehrere antike Gräber in Khujut Rabu in der Nähe der Ruinen von Ctesiphon, einer Stadt, die einst Hauptstadt des Parther- und Sassanidenreichs war, ausgruben.
Die Region, die an einem wichtigen historischen Ort im Nahen Osten liegt, stand zwischen etwa 150 v. Chr. und 223 n. Chr. unter parthischer Herrschaft und wurde dann bis zur Mitte des 7. Jahrhunderts n. Chr. Teil des Sassanidenreichs – ein langer Zeitraum, der eine genaue Datierung der gefundenen Objekte erschwert.
In diesem Begräbniszusammenhang tauchten einzigartige Terrakotta-Gefäße auf, deren auffälligstes Merkmal weniger ihre Größe – etwa 14 Zentimeter hoch – als vielmehr die komplexe Kombination von Materialien war, die sie in ihrem Inneren verbargen: ein Eisenstab, der in einen Kupferzylinder eingesetzt war, alles durch eine Bitumenversiegelung von der Außenwelt isoliert.
Es war Wilhelm König, damals Direktor des Irakischen Nationalmuseums, der 1938 die Hypothese aufstellte, die jahrzehntelange Debatten auslösen sollte. König – von Haus aus Maler – vermutete, dass diese Artefakte als primitive Batterien gedient haben könnten, vielleicht für Elektrotherapie oder sogar für Galvanisierungsprozesse, Jahrhunderte bevor Alessandro Volta im 19. Jahrhundert die erste elektrische Batterie entwickelte.

Experimente mit Nachbildungen: funktionierende antike Batterien?
Wie La Brújula Verde berichtet, gewann diese Idee an Bekanntheit, als König mit einer Nachbildung des Artefakts experimentierte: Durch Zugabe eines Elektrolyten gelang es ihm, einen schwachen elektrischen Strom zu erzeugen. Daraufhin brachte er diese Entdeckung mit ähnlichen Objekten in Verbindung, die in Seleukia und Ctesiphon gefunden worden waren, und vermutete, dass mehrere in Reihe geschaltete Gefäße eine nutzbare Spannung erzeugt haben könnten. Die unvermeidliche Frage bleibt bis heute offen: Besassen die alten Parther oder Sassaniden praktische – wenn auch empirische – Kenntnisse der Elektrochemie?
Seitdem wurde Königs Theorie mehrfach auf die Probe gestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute der Ingenieur Willard Gray von General Electric eine Nachbildung des Geräts, füllte es mit Kupfersulfat und konnte seinen Berichten zufolge bis zu zwei Volt Strom erzeugen.
Jahrzehnte später, im Jahr 2005, unterzog die beliebte Fernsehsendung MythBusters die Hypothese einem Test. Mit zehn in Reihe geschalteten Nachbauten und Zitronensaft als Elektrolyt gelang es den Moderatoren, etwa 4,5 Volt zu erzeugen, und sie stuften den Mythos als „plausibel” ein.
Vor kurzem hat eine neue Studie, die von Chemistry World vorgestellt wurde, die Diskussion erneut angeheizt. Der Autor Alexander Bazes argumentiert, dass viele frühere Experimente das Potenzial des Geräts unterschätzt hätten, indem sie ein wichtiges Detail übersehen hätten: Das Gefäß könnte als „zwei Batterien in einer” funktioniert haben.
Seinen Tests zufolge hätte das Tongefäß selbst als Trennwand zwischen einem externen Elektrolyten und der Luft fungiert und eine zweite Spannungsquelle erzeugt, die in Kombination mit der internen Kupfer-Eisen-Zelle eine Stromproduktion von etwa 1,4 Volt pro Einheit oder sogar etwas mehr ergeben hätte, eine Zahl in der gleichen Größenordnung wie die Nennspannung einer modernen AA-Batterie.
Hypothesen zur Verwendung: Galvanoplastik, Elektrotherapie und religiöse Rituale
Die Theorien über die mögliche Verwendung dieser vermeintlichen Geräte sind ebenso vielfältig wie spekulativ. Einige deuten auf praktische Anwendungen hin, wie die Galvanoplastik von Edelmetallen oder rudimentäre medizinische Behandlungen, die mit frühen Formen der Elektrotherapie vergleichbar sind.
Andere Hypothesen bewegen sich auf fantasievolleren Gebieten. Eine der auffälligsten – wenn auch eine der unwahrscheinlichsten – geht von einer theatralischen Verwendung in religiösen Kontexten aus: der Inszenierung von „elektrischen Tricks” in Tempeln. Wie der Archäometallurg Paul Craddock in einem Interview mit der BBC im Jahr 2003 erklärte, wurde über die Möglichkeit spekuliert, dass eine mit diesen Gefäßen verbundene Statue demjenigen, der einem Priester falsch antwortete, einen leichten Stromschlag versetzen konnte. Ein göttlicher Effekt, wenn man so will, der die religiöse Autorität stärken sollte. Obwohl es keine empirischen Belege dafür gibt, hat sich dieses Bild wahrscheinlich aufgrund seiner narrativen Kraft gehalten.
Bazes hingegen schlägt eine andere, weniger spektakuläre rituelle Verwendung vor: die sogenannte „zeremonielle Korrosion”. Nach dieser Vorstellung könnten auf Papier geschriebene Gebete mit dem Gerät in Kontakt gebracht werden, sodass der sichtbare Korrosionsprozess als greifbare Manifestation einer auf die Gebete einwirkenden Energie interpretiert würde.

Archäologische Skepsis
Der Konsens innerhalb der archäologischen Gemeinschaft ist jedoch nach wie vor überwiegend skeptisch. William Hafford von der University of Pennsylvania, der das Artefakt eingehend untersucht hat, behauptet, dass es sich lediglich um rituelle Gefäße handelte, die Gebete oder Votivgaben enthalten sollten, wie er gegenüber Chemistry World erklärte.
Diese Interpretation wird durch den Fund ähnlicher Objekte in derselben Gegend gestützt, darunter ein Tonbehälter, der bis zu zehn Kupferrohre enthielt – eine Konfiguration, die eindeutig ungeeignet ist, um als Batterie zu fungieren. Aus dieser Perspektive wären die Eisenstäbe laut Hafford keine Elektroden, sondern rituelle Nägel. Das Verfahren bestand darin, schriftliche Gebete durch den Hals des Gefäßes einzuführen, es mit Bitumen zu versiegeln und es als Opfergabe für Gottheiten, die mit der Unterwelt in Verbindung standen, zu vergraben.
Der Kontext der Entdeckung selbst wirft weitere Zweifel auf. Der Fund erfolgte zufällig während des Baus einer Eisenbahnlinie und wurde nicht durch systematische archäologische Ausgrabungen dokumentiert. Hinzu kommt ein irreparabler Verlust: Das Originalartefakt verschwand während der Plünderung des Nationalmuseums in Bagdad im Jahr 2003. Seitdem stützen sich die Untersuchungen ausschließlich auf alte Schwarz-Weiß-Fotografien und unvollständige Beschreibungen.
Darüber hinaus zeigen moderne Experimente, wie der Chemiker Gerhard Eggert in einem Artikel für Skeptical Inquirer, der von IFL Science aufgegriffen wurde, nur, dass eine alte Technologie hätte funktionieren können, nicht aber, dass sie tatsächlich verwendet wurde. Das völlige Fehlen von galvanisierten Gegenständen aus dieser Zeit, das Fehlen anderer vergleichbarer Geräte und das Fehlen von Beweisen, die auf systematische Kenntnisse der Elektrochemie im alten Mesopotamien hindeuten, verstärken die Skepsis gegenüber der sogenannten „Bagdad-Batterie”.
Heute ist das Rätsel um die Batterie von Bagdad trotz allem noch immer ungelöst. Verlorene Technologie? Falsch interpretiertes Ritual? Einfacher Zufall der Materialien? Abgesehen von den Hypothesen veranschaulicht der Fall eine klassische Lektion der Archäologie: Dass etwas technisch möglich ist, bedeutet nicht, dass es historisch bewiesen ist. Zwischen Vorstellungskraft und Beweisen bleibt die Distanz entscheidend.
